Albert Spaggiari: Der Wecker im Schließfach
Shownotes
Spektakulärer Ausbruch nach Bankraub...
Dieser Podcast wird durch Werbung finanziert.
Weitere Podcasts, Infos und Angebote unserer Werbepartner:
https://linktr.ee/WikipediaPodcast
Die Episode basiert auf Inhalten von Wikipedia:
https://en.wikipedia.org/wiki/Albert_Spaggiari
https://en.wikipedia.org/wiki/Nice
https://en.wikipedia.org/wiki/Société_Générale
https://en.wikipedia.org/wiki/Jacques_Médecin
https://en.wikipedia.org/wiki/Jacques_Peyrat
https://en.wikipedia.org/wiki/Christian_Estrosi
https://en.wikipedia.org/wiki/Bernard_Pivot
https://en.wikipedia.org/wiki/Hyères
https://en.wikipedia.org/wiki/Apostrophes_(talk_show)
Inhalte wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt oder bearbeitet.
CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/)
Transkript anzeigen
00:00:00: Am Dienstagmorgen, dem zwanzigsten Juli, neunzehnhundertsechsundsiebzig wollten die Angestellten der Société Générale in Nizza ihre Filiale amboulevard Victor Hugo wie gewohnt für den Geschäftsbetrieb öffnen.
00:00:13: Doch bereits beim Versuch den Tresorraum aufzuschließen stießen sie auf ein Problem das zunächst wie eine besonders hartnäckige technische Störung wirkte.
00:00:23: Die tonnenschwere Panzertür ließ sich nicht bewegen.
00:00:28: Der Mechanismus der Tür Eine Präzisionsanfertigung eines renommierten Tresorherstellers reagierte weder auf die Kurbelsysteme noch auf die Zeitschaltuhr.
00:00:39: Die angestellten verständigten Techniker und Schlosser, die sich zunächst daran machten, die massive Tür mit Bohrern zu bearbeiten.
00:00:48: Niemand konnte zu diesem Zeitpunkt ahnen dass die Ursache für die Blockade nicht außerhalb sondern innerhalb des Tresoraums lag.
00:00:57: Erst als nach einiger Zeit Rauch durch die schmalen Spalten der Tür drang und sich der Geruch von geschmolzenem Metall im Eingangsbereich ausbreitete, wurde den Anwesenden klar, dass sie es nicht mit einem technischen Defekt zu tun hatten.
00:01:12: Jemand hatte das verriegelnde Schneidgestänge auf der Innenseite der Panzertür mit Schweißgerät und Stahl so massiv bearbeitet, daß ich die Tür von außen nicht mehr öffnen ließ.
00:01:24: Als es den herbeigerufenen Einsatzkräften nach stundenlangen Arbeiten am späten Nachmittag schließlich gelang sich durch die massive Konstruktion in den Tresorraum vorzuarbeiten, offenbarte sich dahinter das Ausmaß des Geschehens.
00:01:41: Die Kammer, die zu den bestgesicherten Bereichen der Bank gehörte war vollständig verwüstet worden.
00:01:48: Auf dem Boden lagen aufgebrochene Schließfachkassetten, Metallreste und Bruchstücke der zerstörten Tresorkonstruktionen.
00:01:57: Dazwischen fanden die Ermittler die Hinterlassenschaften einer ungewöhnlich langen und offenbar erstaunlich ungestörten Arbeit Leere Weinflaschen sowie Reste von Mahlzeiten.
00:02:10: Die Täter hatten sich offensichtlich nicht damit begnügt, schnell einzubrechen und wieder zu verschwinden.
00:02:16: Sie hatten sich Zeit genommen!
00:02:18: Sie hatten insgesamt dreihundertseinundsiebzig Schließfächer mit Spezialwerkzeug geöffnet.
00:02:24: Die darin verwarten Wertgegenstände waren systematisch entnommen und offenbar sortiert und abtransportiert worden.
00:02:32: Es gehörten Goldbaren, Brillanten, Anlagemünzen Wertpapiere und große Mengen Bargeld zur Beute.
00:02:41: Der Gesamtwert wurde später auf rund sixundvierzig Millionen Frans geschätzt, eine Summe die heute – je nach Berechnung – einem Wert von deutlich über dreißig Millionen Euro entsprechen würde.
00:02:54: Doch für die Ermittler stellte sich schon bald eine weitaus wichtigere Frage als die nach der Höhe der Beute.
00:03:01: Wie hatte es eine Gruppe von Einbrechern geschafft über einen längeren Zeitraum unbemerkt in einem Hochsicherheitstresor zu arbeiten, hunderte Schließfächer aufzubrechen und anschließend die gesamte Beute abzutransportieren.
00:03:16: Eines war spätestens jetzt offensichtlich – dieser Einbruch war nicht spontan geplant worden!
00:03:23: Die Täter kannten die technischen Gegebenheiten des Ressorts verfügten über entsprechendes Werkzeug die selbst erfahrene Ermittler vor ein Rätsel stellte.
00:03:37: An einer Wand hinterließen die Täter eine Botschaft in weißer Farbe.
00:03:42: Sansarm, nie Hain, nie Violence – ohne Waffen, ohne Hass, ohne Gewalt!
00:03:52: Es war der größte Bankraub in der Geschichte Frankreichs.
00:03:56: Die Aufschrift an der Wand war in sorgfältigen Druckbuchstaben ausgeführt.
00:04:01: Die Ermittlern standen vor einer beispiellosen logistischen Leistung.
00:04:06: Wie konnte eine Bande tonnenschweres Gerät, hunderte Kilo Schrott und riesige Mengen an Beute mitten durch das städtische Kanalnetz transportieren ohne dass Anwohner oder Passanten Verdacht schöpften?
00:04:24: Die Männer waren offenbar nicht durch die Panzertür in den Trisor gelangt.
00:04:29: Unter dem Pflaster der Avenue Jean-Médicin lag das eigentliche Einfallstor.
00:04:35: Tief im Untergrund verlief das weit verzweigte Abwassernetz der Stadt.
00:04:40: Stellenweise trennten die gemauerten Kanäle nur wenige Meter von den Fundamenten der Société Générale.
00:04:47: Ein Relikt aus dem neunzehnten Jahrhundert machte diesen Untergrund besonders verwundbar, Der überwölbte Fluss Paillon.
00:04:56: Das steinerne Gewölbe hielt das Flussbett trocken.
00:04:59: Es bot einen Einstieg, der von den Straßen der Innenstadt völlig unbemerkt blieb.
00:05:07: Spajari studierte den Stadtplan von Nizza wochenlang und stieß auf die historischen Tunnel des überwölbten Flusses.
00:05:15: Der Fluss war im neunzehnten Jahrhundert zum Schutz vor Hochwasser unter die Erde verlegt worden.
00:05:21: Von dort führte ein verzweigtes System aus gemauerten Abwasserrohren direkt unter das Bankgebäude.
00:05:28: Spajari mietete sich verkleidet ein Schließfach in der Société Generale an, um die Dicke der Wende und die Geräuschentwicklung im Tresorraum zu testen.
00:05:38: Er ließ einen Wecker im Schließfach zurück, der zur Mitternachtszeit läutete.
00:05:43: Als niemand den Alarm hörte, wusste er dass keine Erschütterungs- oder Akustiksensoren installiert waren.
00:05:50: Die Bankleitung in Paris wiegte sich derweil in absoluter Sicherheit!
00:05:55: Die Verantwortlichen stuften die Filiale an der Côte d'Azur als uneinnehmbar ein.
00:06:00: Massive Panzertüren und Alamanlagen sicherten die Schätze wohlhabender Bürger gegen jeden Zugriff von der Straße ab.
00:06:08: In den Schließfächern lagerten nicht deklarierte goldbaren und hohe Bargeldbestände, die Vermögende vor der staatlichen Finanzbehörde versteckten.
00:06:17: Doch das Vertrauen des Instituts beruhte auf einer gravierenden Fehleinschätzung.
00:06:23: Im Erdreich fehlten jegliche Erschütterungssensoren gegen Tunnelbauten.
00:06:28: Zudem sparte die Bankleitung an Kontrollgängen während der langen Feiertage.
00:06:33: Am Wochenende des Nationalfeiertags am vierzehnten Juli blieb das Bankgebäude vier Tage lang vollkommen unbesetzt.
00:06:42: Der Mann, der diese Lücke entdeckte, führte an der Oberfläche ein bürgerliches Doppelleben.
00:06:48: Albert Spaggiari betrieb mit seiner Ehefrau Audi das abgelegene Anwesen Die Wildgänse im Umland von Nizza.
00:06:57: Auf dem Hof züchteten die beiden Hühner.
00:07:00: Der Hof diente Spagggiari als unauffällige Operationsbasis.
00:07:05: In der Stadt arbeitete er als Fotograf und pflegte beste Beziehungen zur Lokalpolitik.
00:07:12: Er verkehrte im direkten Umfeld des Bürgermeisters Jacques Medecin, dieser sympathisierte Offen mit militanten Extremisten und unterhielt ein enges Bündnis mit Jean-Marie Le Pen von der Front nationale.
00:07:26: Auch Spagiaris Anwalt Jacques Perra bewegte sich in diesen Kreisen.
00:07:31: Perra war Veteran des Indochiner Kriegs.
00:07:38: Diese einflussreichen Seilschaften boten Spajari ein schützendes Umfeld.
00:07:44: Hinter der Fassade des Atelierfotografen verbarg sich eine Vergangenheit, die wenig mit seinem späteren Leben in Mitza zu tun hatte.
00:07:53: Als junger Soldat diente Spajarri beim dritten kolonialen Fallschirmjäger-Bataillon in Indochina.
00:08:00: Während dieser Zeit war er an einem Raubüberfall beteiligt und wurde dafür von einem Militärgericht zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.
00:08:10: Später schloss er sich in Nordafrika der Organisation Armes-Secré, kurz OAS an.
00:08:18: Dabei handelte es sich um eine militante Geheimorganisation französischer Algerienanhänger die sich gegen die Unabhängigkeit Algeriens stellte und dafür auch vor Gewalt nicht zurückschreckte.
00:08:31: Wegen seiner Beteiligung an der OAS verbrachte Spajari weitere dreieinhalb Jahre im Gefängnis.
00:08:38: Aus dieser Zeit nahm er wichtige Kontakte mit.
00:08:41: Er kannte ehemalige Soldaten, Mitglieder von Milizen und Männer die sich mit Sprengstoff auskannten.
00:08:47: Auch seine eigene militärische Ausbildung sollte ihm später helfen.
00:08:51: Spajari wusste wie man eine Operation plant Wie man Material beschafft Und wie man mit einer kleinen Gruppe unauffällig arbeitet.
00:08:59: Seine Kontakte reichten sogar bis nach Südamerika.
00:09:03: Unter dem Decknamen Daniel soll Spajari für den chilenischen Geheimdienst gearbeitet haben.
00:09:09: Chile wurde zu dieser Zeit von Diktator Augusto Pinochet regiert, der geheimdienst verfolgte politische Gegner des Regimes und unterhielt dafür verschiedene geheime Einheiten darunter die sogenannte Brigada Corsa.
00:09:23: Auch zu Michael Townley hatte Spajarri offenbar Kontakt.
00:09:27: Townley arbeitete für das chilenische Regime und war an geheimen Operationen beteiligt.
00:09:32: In den letzten Jahren war er an der Ermordung des ehemaligen chilenischen Außenministers Orlando Letellier beteiligt, der bei einem Bombenanschlag in Washington getötet wurde.
00:09:43: Ob alle Einzelheiten von Spajaris Zusammenarbeit mit dem Chilenischen Geheimdienst geklärt werden konnten ist bis heute umstritten.
00:09:51: Fest steht jedoch dass er in den Jahren zuvor Erfahrungen und Kontakte gesammelt hatte die ihm später bei seinem größten Unternehmen zugutekommen sollten.
00:10:00: Für den Einbruch in den Trisorraum benötigte Spajari jedoch Spezialisten, die mit schwerem Gerät umgehen konnten.
00:10:08: Diese Männer fand er im korsischen Milieu an der Mittelmeerküste.
00:10:12: Jacques Cassandri verfügte über jahrzehntelange Erfahrung im bandenmäßigen Einbrug und beschaffte schweres Werkzeug – so nahmen die Vorbereitungen ihren Lauf!
00:10:22: Im Mai,內inhundertsechsundsiebzig begannen Spajaris Helfer mit den Erdarbeiten unter den Straßen von Nizza.
00:10:28: Vom überwölbten Flussbett und den gemauerten Abwasserrohren aus gruben die Männer einen rund acht Meter langen Stollen durch das Erdreich.
00:10:36: Jeder Meter war schwere Handarbeit im Schlamm, Die Arbeit fand unter schwierigen Bedingungen statt.
00:10:42: In den engen Schächten herrschte unerträgliche Hitze Giftige Gase konnten sich sammeln Und bei starkem Regen bestand jederzeit die Gefahr dass die Abwasserkanäle innerhalb weniger Minuten überflutet wurden.
00:10:55: Trotzdem bauten die Männer das Kanalsystem nach und nach zu einer regelrechten Operationsbasis aus.
00:11:01: Sie verlegten hunderte Meter Elektrokabel, um die Baustelle mit Licht zu versorgen und richteten in den feuchten Gewölben sogar Picknick-Tische und Luftmatratzen für Mahlzeiten und kurze Schlafpausen ein.
00:11:13: Werkzeug und Erdaushub wurden mit aufblasbaren Schlauchbooten durch die Kanäle transportiert.
00:11:19: Die ausgegrabene Erde verpackten die Männer in Säcke und schafften sie Stück für Stück aus dem Gebiet.
00:11:25: Besonders aufwendig war der Transport des Materials, dass sie für den eigentlichen Durchbruch benötigten.
00:11:31: Über hunderte Meter mussten schwere Werkzeuge durch das knietiefe Abwasser getragen werden – darunter rund dreißig Acetylen-Gasflaschen.
00:11:39: Mit ihnen wollten die Männer später das armierte Mauerwerk und die Stahlträger unter der Bank durchtrennen.
00:11:45: Was als einfacher Tunnel begonnen hatte, entwickelte sich damit innerhalb weniger Wochen zu einer vollständig eingerichteten Baustelle tief unter den Straßen von Nizza.
00:11:55: Verborgen vor den Menschen, die wenige Meter darüber ihrem Alltag nachgingen.
00:12:00: Das verlängerte Wochenende zum französischen Nationalfeiertag am vierzehnten Juli war das perfekte Zeitfenster.
00:12:07: Die Bande wusste dass die Bank von Freitagabend bis Dienstag früh unbesetzt bleiben würde.
00:12:13: Vor den Einbrechern lagen über achtzig Stunden ungestörte Arbeitszeit ein in der Kriminalgeschichte einmaliges Szenario.
00:12:23: Am Freitagabend, dem sechzehnten Juli, neunzehnhundertsechsundsiebzig erreichten die Minöre ihr Ziel.
00:12:31: Mit Maiseln und Brechstangen durchbrachen sie die massive Betonplatte im Boden des Tresoraums.
00:12:37: Nacheinander stiegen die Einbrecher in die Schatzkammer der Société-Generalempor.
00:12:43: Als erstes griffen die Männer zum Schneidbrenner und verschweißten die tonnenschwere Panzertür von innen.
00:12:49: Der Raum war nun gegen jedes Öffnen von außen vollkommen verriegelt.
00:12:55: Über das gesamte Feiertagswochenende öffnete die Bande ungestört schließfach für schließfach, niemand schlug Alarm.
00:13:04: Mitten im Tresorraum verzehrten die Männer mitgebrachte Delikatessen und tranken Wein.
00:13:11: Erst am frühen Dienstagmorgen räumten die Täter das Feld.
00:13:15: Sie luden die Beute in Säcke und transportierten sie auf Booten durch den Abwasserkanal ab.
00:13:21: Während die Einbrecher unermüdlich Schließfächer aufbrachen, richteten sie sich häuslich ein.
00:13:27: Sie benutzten Teppiche der Bank als Schlafunterlagen und kochten Suppen auf Gaskochern.
00:13:34: Zu den skurrilsten Details des Einbruchs gehörte das die Täter sogar intime Fotos prominenter Persönlichkeiten, die sie in den Schließ fächern fanden an die Wände des Trisoraums klebten.
00:13:47: Als die Ermittler die Kammer betraten stießen sie auf dieses Chaos.
00:13:52: Neben Schneidbrennern, Schweißgeräten und gelehrten Weinflaschen sicherte die Spurensicherung jedoch keinerlei verwertbare Fingerabdrücke.
00:14:01: Die Kriminalpolizei von Nizza stand vor einem Rätsel.
00:14:05: Die Beamten suchten drei Monate lang im Milieu der Riviera nach Spuren der verschwundenen Wertsachen doch jeder Ansatz führte ins Leere.
00:14:16: Die Wende brachte das Privatleben eines Beteiligten.
00:14:20: Ende Oktober, neunzehnhundertsechsundsiebzig wandte sich die verlassene Geliebte eines Komplizen an die Polizei.
00:14:27: Die Frau offenbarte den Beamten die Beteiligung ihres früheren Lebensgefährten an dem Bankeinbruch.
00:14:34: Die Ermittler griffen sofort zu und nahmen den Mann in Gewahrsam.
00:14:38: Unter tagelangem polizeilichen Verhör brach der Verdächtige schließlich sein Schweigen.
00:14:44: Er legte ein umfassendes Geständnis ab und nannte die Namen seiner Mittäter.
00:14:50: Ein Name rückte dabei sofort in den Fokus der Kriminalisten.
00:14:54: Der festgenommene enttarnte den örtlichen Fotografen Albert Spajari als operativen Kopf der Einbrecherbande.
00:15:03: Spajarri ahnte zu diesem Zeitpunkt nichts von dem Verrat, er befand sich tausende Kilometer entfernt in Ostasien.
00:15:11: Als offizieller Bildberichterstatter begleitete er Bürgermeister Jacques Metsin auf einer Delegationsreise.
00:15:19: Die Ermittler bereiteten die Festnahme im Hintergrund akribisch vor und warteten auf die Rückkehr des Fotografen.
00:15:26: Ende Oktober, neunzehnhundertsechsundsiebzig landete Spajari auf dem Flughafen Nizza Côte d'Azur.
00:15:34: Kriminalbeamte fingen ihn unmittelbar nach dem Verlassen der Maschine ab – und führten ihn ab.
00:15:40: Zeitgleich lief eine landesweite Razzia an.
00:15:44: Die französische Polizei nahm im selben Zug sechs weitere mutmaßliche Mittäter des Kussfest.
00:15:50: Im Verhör leugnete Spajari seine Beteiligung zunächst energisch.
00:15:55: Erst nach Zähnenvernehmungen räumte er die Tat schließlich vor den Kriminalisten ein.
00:16:01: Um sich politisch zu rechtfertigen, erfand Spajarri eine Legende.
00:16:06: Er behauptete für eine geheime politische Organisation namens Katena gehandelt zu haben, die das geraubte Geld zur Durchsetzung ihrer Zwecke benötige.
00:16:16: Sein Verteidiger griff diese Version bereitwillig auf.
00:16:20: Er versuchte, die Verhaftung im Vorfeld der Kommunalwahlen von adhesivebenundsiebzig als politisch motiviertes Komplott der Behörden gegen rechte Netzwerke darzustellen.
00:16:32: Im März führten Beamte Spajari in den Justizpalast von Nizza.
00:16:37: Im Büro des Untersuchungsrichters Richard Bouazis im zweiten Stock sollte eine weitere gerichtliche Vernehmung stattfinden.
00:16:45: Spajarri wirkte kooperativ und zog ein Blatt Papier hervor.
00:16:49: Er überreichte Boasies eine handgezeichnete Skizze voller rätselhafter Zeichen und Symbole.
00:16:56: Dies sei der entscheidende Plan, der die Hintergründe der Tat beweise.
00:17:01: Spajari hatte den Fluchtplan aus dem Justizpalast im Voraus vorbereitet.
00:17:06: Er wusste genau welches Fenster im veralteten Gebäude keinen Sicherheitsrost besaß und wie hoch der Sprung auf das Wagendach im Innenhof war.
00:17:15: Komplizen hatten das Areal tagelang beobachtet, um den optimalen Moment für das Bereitstellen des Fluchtmotorrads abzupassen.
00:17:24: Richter Boersies beugte sich über den Schreibtisch und vertiefte sich in das Dokument.
00:17:29: Diesen Moment nutzte Spajari aus!
00:17:33: Mit wenigen schnellen Schritten trat er an das geöffnete Fenster hinter ihm.
00:17:37: Bevor die verblüfften Beamten im Raum reagieren konnten stieß er sich ab und sprang in die Tiefe.
00:17:44: Spajari stürzte in den Innenhof des Justizpalastes und landete auf dem Dach eines geparkten Wagens.
00:17:51: Das Blech gab nach, federte den harten Aufprall ab.
00:17:56: Nach dem Sturz rappelte sich Spajaris sofort auf und rannte zur Straße.
00:18:01: Dort wartete bereits ein Komplize mit laufendem Motor auf einem Motorrad.
00:18:06: Spajarri sprang auf den Sozius die Maschine beschleunigte und verschwand im dichten Verkehr der Innenstadt.
00:18:14: Vor den Augen der Justizbehörden gelang dem Kopf der Bande die Flucht.
00:18:19: Ein französisches Schwurgericht verurteilte den flüchtigen Spajari in Abwesenheit zu lebenslanger Haft, er veränderte sein Gesicht durch plastische Chirurgie und lebte jahrelang im Exil in Argentinien.
00:18:33: Heimlich empfing er dort einen Journalisten zu einem Fernsehinterview für die Sendung Apostrophis.
00:18:40: Im Jahr Zwei-Tausendzehn tauchte schließlich ein Mann auf die Geschichte des Bankraubs aus eigener Erfahrung zu kennen.
00:18:49: Jacques Cassandrie veröffentlichte ein Buch, in dem er sich selbst als den eigentlichen Drahtzieher des Coupes darstellte.
00:18:57: Er behauptete, Spajari habe eine weit weniger wichtige Rolle gespielt, als die Öffentlichkeit seit Jahrzehnten glaubte.
00:19:05: Damit bekam der Fall noch einmal eine völlig neue Wendung.
00:19:09: Denn plötzlich stand die Frage im Raum Ob der Mann, der seit den Siebzigerjahren als Kopf des spektakulärsten Bankraubs Frankreichs galt tatsächlich derjenige gewesen war, der den Kuh geplant und organisiert hatte.
00:19:23: Ganz geklärt wurde diese Frage jedoch nie.
00:19:27: Cassandri wurde im Jahr zwei Tausend Achtzehn wegen Geldwäsche zu dreißig Monaten Haft verurteilt.
00:19:33: Der Bankraub selbst blieb dagegen weitgehend ungesühnt.
00:19:37: Die Millionen die damals aus den Schließfächern verschwanden tauchten nicht wieder auf Und auch Spaggiari erlebte das Ende dieser Geschichte nicht mehr.
00:19:47: Am zehnten Juni, nineteenhundertneunzig fand seine Mutter Marcel die Leiche ihres sechsundfünfzigjährigen Sohnes vor ihrem Haus in Hyères.
00:19:56: Spagggiari war an Krebs erkrankt und hatte die letzten Jahre seines Lebens außerhalb Frankreichs verbracht.
00:20:02: Selbst nach seinem Tod blieb vieles um ihn im Dunkeln – vor allem die Frage was mit dem Geld aus dem Bankraub geschehen.
00:20:10: Von den forty-sech Millionen Frans fehlt bis heute jede Spur.
Neuer Kommentar